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Die Milcherzeugung ist der wichtigste Betriebszweig der deutschen Landwirtschaft. 33,1 Millionen Tonnen Kuhmilch wurden 2019 hierzulande erzeugt.

Melkanlage
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Das ist rund ein Fünftel der in der EU erzeugten Milch, was Deutschland zum größten Milcherzeuger der EU macht. Starke Zuwächse, allerdings noch auf recht geringem Niveau gibt es bei Biomilch. 2019 lieferten Biolandwirte knapp 1,2 Millionen Tonnen Milch an – beinahe doppelt so viel wie noch 2010. Der Bioanteil an der Gesamtanlieferungsmenge von Kuhmilch in Deutschland erreicht bislang dennoch nur knapp 3,7 Prozent.

4 Millionen Milchkühe werden hierzulande gehalten. Eine imposante Zahl, doch die Zahl der Milchviehbetriebe in Deutschland sinkt stetig: 59.900 waren es 2019 – deutlich weniger als halb so viele wie noch im Jahr 2000. Im Gegenzug hat sich die durchschnittliche Anzahl der auf einem Betrieb gehaltenen Milchkühe seitdem von 33 auf 67 mehr als verdoppelt.

Milchbäuerinnen und -bauern stehen wirtschaftlich seit Jahren unter Druck. Besonders für kleinere Betriebe ist eine rentable Milcherzeugung kaum mehr möglich. Futter- und Energiekosten sind in den letzten Jahren stark angestiegen, die Erzeugerpreise für Milch sind schwankend, liegen aber fast immer deutlich unter den 40 Cent pro Liter, die Milchviehhalterinnen und -halter in Deutschland benötigen, um kostendeckend arbeiten zu können.

Im Jahr 2019 erhielten Milchbäuerinnen und -bauern im Durchschnitt 33,7 Cent pro Kilogramm konventionell erzeugter Milch von deutschen Molkereien. Dabei entspricht 1 Liter Milch 1,02 bzw. 1,03 Kilogramm. Für Biomilch gab es gut 40 Prozent mehr, nämlich 47,6 Cent.

Bio-Milchviehhalterinnen und -halter erhielten damit gut 0,5 Cent weniger, konventionelle Betriebe knapp einen Cent mehr als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Im Vergleich der letzten fünf Jahre bedeutete das für die Bio-Milchviehhalterinnen und -halter einen um gut 0,5 Cent niedrigeren Preis, während konventionelle Betriebe knapp einen Cent mehr erhielten als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Wie viel Milch gibt eine Kuh?

Im Durchschnitt gab eine Milchkuh 2019 in Deutschland 8.250 Kilogramm Milch. Solche enormen Mengen sind das Ergebnis einer zielgerichteten Zucht auf hohe Milchleistungen.

Damit hat sich die Milchmenge gegenüber 1950 weit mehr als verdreifacht. Selbst im Vergleich zu 1990 gab es einen Zuwachs um fast 70 Prozent.

Nach der Geburt eines Kalbes wird eine Kuh etwa 10 Monate lang gemolken. Einige Wochen vor der Geburt des neuen Kalbes wird die Kuh dann "trockengestellt", also nicht mehr gemolken, um sie vor der anstehenden Kalbung zu schonen.

Mit der Geburt des Kalbes beginnt eine neue Milchperiode – auch Laktation genannt. Die höchste Milchleistung erreicht eine Kuh bei der vierten bis sechsten Laktation. Im Durchschnitt bekommt eine Kuh in Deutschland etwa jedes Jahr ein Kalb.

Wo werden Milchkühe gehalten?

Gehalten werden Milchkühe hierzulande vor allem dort, wo es einen hohen Anteil an Grünland, also Wiesen und Weiden gibt. Der Hauptgrund dafür ist, dass Kühe mit ihren vier Mägen – im Gegensatz zu beispielsweise Schweinen oder Geflügel – das Raufutter aus Gras besser verwerten können. Die Milchproduktion auf Grünlandstandorten ist also zum einen aus biologischen Gründen sinnvoll und zum anderen auch wirtschaftlicher als in reinen Ackerbauregionen ohne Grundfutter.

Bayern mit seinem Voralpenland und Niedersachsen mit seinem Grünlandgürtel entlang der Nordsee sind deshalb die beiden Länder in Deutschland, in denen zusammen fast die Hälfte aller Kühe steht. In keinem anderen Bundesland gibt es so viele Milchviehbetriebe wie in Bayern, gleichzeitig sind die Milchkuhherden nirgendwo sonst so klein wie dort. Im Schnitt halten bayerische Milchviehbetriebe 41 Tiere. Im extremen Gegensatz dazu der Osten Deutschlands: hier stehen die größten Milchkuhherden. Spitzenreiter ist Mecklenburg-Vorpommern mit durchschnittlich 235 Tieren.

Wie werden Milchkühe gehalten?

Etwa 70 Prozent aller Milchkühe in Deutschland werden in offenen Laufställen gehalten. Das geht aus der letzten Landwirtschaftszählung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2010 hervor. Es ist anzunehmen, dass der Wert mittlerweile über 70 Prozent liegt, denn Stallneubauten sind heute fast immer Boxenlaufställe. In Laufställen können sich die Kühe frei bewegen. Die Stallfläche ist in die Funktionsbereiche Fressen, Liegen und Laufen aufgeteilt. Im ökologischen Landbau ist eine Mindestfläche von 6 Quadratmeter pro Tier vorgeschrieben.

Aber auch die Anbindehaltung, die in früheren Zeiten in vielen Betrieben die Regel war, gibt es heute noch. Sie ist meist in kleinen Milchbetrieben mit wenigen Kühen zu finden, vorwiegend im Süden Deutschlands – dort besonders im Alpenraum. Laut der letzten Landwirtschaftszählung wurden 2010 noch 27 Prozent aller Kühe angebunden gehalten. Die Anbindehaltung geht jedoch im Zuge des Generationenwechsels und des Strukturwandels deutlich zurück, sodass der Anteil der in Anbindehaltung gehaltenen Kühe seit 2010 stark gesunken ist. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter (ADR) nahm die Zahl der Betriebe mit Anbindehaltung in Deutschland zwischen 1995 und 2013 um 77 Prozent ab. In der ökologischen Tierhaltung sind Anbindeställe seit Ende 2013 verboten. Ausnahmeregelungen gelten für Kleinbetriebe.

Etwa 42 Prozent der deutschen Milchkühe haben im Schnitt etwa fünf Monate pro Jahr Weidegang. In den letzten Jahren hat in Deutschland die Stallhaltung ohne Weidegang stark zugenommen. Um den Tieren trotzdem frische Luft zu verschaffen, werden die Laufställe mit einem Auslauf kombiniert. Im ökologischen Landbau haben die Tiere Anspruch auf frische Luft oder Weidegang.

Ob und wie viel Zeit Milchkühe auf der Weide verbringen ist regional sehr unterschiedlich und hängt auch von der Betriebsgröße ab. Vor allem in Niedersachsen und Schleswig-Holstein erhalten Kühe regelmäßig Weidegang. Dort haben noch viele Betriebe arrondierte, also den Hof umgebende Marschwiesen, die sie nutzen können, ohne verkehrsreiche Straßen überwinden zu müssen.

Milch, die von den Molkereien als "Weidemilch" vermarktet wird, stammt übrigens von Kühen, die im Laufe des Jahres an mindestens 120 Tagen mindestens sechs Stunden auf der Weide waren.

Was fressen Milchkühe?

Von der bedarfsgerechten Fütterung der Milchkühe hängen Gesundheit, Fruchtbarkeit und Milchleistung ab. Der Bedarf an Energie, Eiweiß und Mineralstoffen richtet sich nach der Milchmenge, dem Nährstoffbedarf der Kuh und dem Stadium der Trächtigkeit.

Das Verdauungssystem der Kühe ist an Strukturfutter wie Gras, Grassilage und Heu angepasst. Diese Art von Futter benötigen Kühe immer, da sonst das Säuregleichgewicht des Pansens gestört wird und die Kuh schwer erkranken kann. Das Grundfutter stammt meist vom eigenen Hof und besteht aus Komponenten wie Grassilage, Maissilage, Luzernesilage, Futterstroh, Feuchtkornmais, Kalk und Mineralfutter.

Um hohe Milchleistungen erzielen zu können, muss die Futterration aber mit energie- oder eiweißreichem Futter – sogenanntem Kraftfutter – ergänzt werden. Dabei handelt es sich um Mischfutter aus verschiedenen Getreide- und Eiweißkomponenten wie Weizen, Triticale, Gerste, Weizenkleie, Rapsextraktionsschrot, Ackerbohne oder Erbse.

Für Öko-Tiere muss das gesamte Futter aus ökologischem Anbau stammen. Es wird meist in den Betrieben selbst erzeugt oder stammt von anderen Biohöfen. Nur in Ausnahmefällen darf konventionelles Futter in geringen Mengen zugekauft werden.

Wie werden Kühe gemolken?

Das Melken von Hand ist kraft- und zeitraubend und wird heute in Deutschland nur noch in Ausnahmefällen praktiziert, Melkanlagen und -roboter sind inzwischen Standard. Beim Melken mit der Melkanlage bedienen Melkerinnen und Melker von einem Gang mit abgesenktem Boden aus die Melkzeuge – vier Zylinder mit Gummiköpfen, die über die Zitzen gestülpt werden.

Mit einem Melkroboter verläuft der gesamte Melkvorgang automatisch: Nachdem die Kuh in den Melkstand getreten ist, sendet ein Transponder im Halsband alle notwendigen Daten an das System. Die Kuh erhält eine von der Landwirtin oder dem Landwirt vorher individuell bestimmte Menge an Kraftfutter und wird dann gemolken. Dabei erkennt ein Laser die Position der Zitzen, ein Roboterarm setzt das Melkzeug an und das erste Gemelk wird vollautomatisch untersucht.

Der Melkroboter kann erkennen, ob die Milch in Ordnung ist oder ob eine Kuh vielleicht an einer Euterentzündung leidet. Dazu misst er bestimmte Parameter in der Milch, zum Beispiel die Temperatur, die Farbe, die elektrische Leitfähigkeit oder die Zellzahl. Und er informiert die Landwirtin oder den Landwirt, wenn eine Kuh eventuell behandelt werden muss und ihre Milch nicht mehr für den Konsum verwendet werden darf.

Ist die Milch in Ordnung, wird vollständig gemolken. Dabei ist es wichtig, dass keine Milchreste im Euter verbleiben, aber auch nicht zu lange gemolken wird. Beides kann zu Entzündungen führen. Sinkt der Milchfluss unter eine bestimmte Menge, wird das Melkzeug abgesetzt und gereinigt. Die Zitzen des Euters werden desinfiziert und die Kuh kann den Melkstand verlassen. Auf diese Weise wird eine Kuh durchschnittlich 2,7- bis 3-mal am Tag gemolken.

Quelle: Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) www.landwirtschaft.de

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