Stillförderung als lohnendes Investment für alle

Stillen fördert die Gesundheit von Müttern und spart Kosten im Gesundheitssystem

Zwei Frauen sitzen auf dem Sofa, eine stillt ein Baby. Die andere spricht mit ihr. © @Line Kuehl / BLE

(BZfE) – Stillen ist nicht nur die natürliche Ernährung von Säuglingen. Stillen hat auch signifikante positive Effekte auf die Gesundheit von Müttern, denn wenn die Mutter ihr Kind stillt, liegt das Risiko an Diabetes Typ 2, Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken bei einem Viertel bis zur Hälfte gegenüber Frauen, die nicht stillen. Die stärksten positiven Effekte werden beobachtet, wenn das Kind nur Muttermilch erhält. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt daher, Kinder in den ersten 6 Monate ausschließlich zu stillen. In Deutschland folgen lediglich 13 Prozent der Mütter dieser Empfehlung. 

Anlässlich des Weltgesundheitstages der Weltgesundheitsorganisation am 2. April, an dem die Müttergesundheit im Mittelpunkt steht, macht das Netzwerk Gesund ins Leben darauf aufmerksam, dass von Investitionen in die Stillförderung letztlich alle profitieren: Die gesamtgesellschaftlichen Gesundheitskosten sinken erheblich, da Erkrankungen vermieden werden können. 

Eine Kostenanalyse für die USA ergab, dass 13 Milliarden Dollar pro Jahr eingespart und 911 Todesfälle (v. a. Säuglingssterbefälle) verhindert würden, wenn 90 Prozent der US-amerikanischen Familien die Empfehlung zum ausschließlichen Stillen für 6 Monate befolgten. 

Die Gründe, warum Mütter in Deutschland gar nicht stillen oder nicht so lange wie empfohlen, sind vielfältig: Stillprobleme wie Brustentzündungen und die Unsicherheit über eine ausreichende Milchmenge zählen zu den häufigsten Gründen. Frühzeitige und ausreichende Stillberatung sowie praktische Unterstützung sind wichtige Maßnahmen, um Frauen beim Stillen zu unterstützen. Insbesondere Frauen in belasteten Lebenslagen fühlen sich nicht gut auf das Stillen vorbereitet und werden durch vorhandene freiwillige Beratungs- und Unterstützungsangebote schlechter erreicht. Diese ist eher mittelschichtorientiert und erfolgt aufgrund von Eigeninitiative. 

Mütter mit niedrigerem Sozialstatus informieren sich seltener vor der Geburt über das Stillen, besuchen seltener einen Geburtsvorbereitungskurs und werden seltener vor und nach der Geburt zuhause von einer Fachkraft betreut. Hier gilt es, die Beratungs- und Unterstützungsangebote zu verbessern.

„Stillberatung ist besonders effektiv, wenn sie mit der Schwangerschaft beginnt und nach der Geburt über die ganze Stillzeit angeboten wird, sowohl in der ambulanten wie stationären Versorgung“, sagt Maria Flothkötter, Leiterin des Netzwerks Gesund ins Leben. „Derzeit fehlt noch die verbindliche Beratung während der Schwangerschaft, diese sollte in die vorhandenen Vorsorgeuntersuchungen integriert werden, so wie es bereits bei der Wochenbettbetreuung der Fall ist.“ Von frühzeitigen, niedrigschwelligen und bedarfsgerechten Stillberatungsangeboten würden alle Frauen, unabhängig von ihrem Sozialstatus, profitieren. 

Der Weltgesundheitstag findet jedes Jahr am 7. April statt. Das Datum geht zurück auf die Gründung der WHO am 7. April 1948. Die Verfassung der WHO statuiert, dass ihr Zweck darin liegt, allen Völkern zur Erreichung des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu verhelfen. Jedes Jahr wird am Aktionstag ein vorrangiges Gesundheitsproblem in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit gerückt.

Gudrun Kinzel, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

Netzwerk Gesund ins Leben

Tipps zum Anlegen beim Stillen 

Video: Stillen – Richtig Anlegen 

Nachgefragt: Warum gehört Stillvorbereitung zur Geburtsvorbereitung?

Nachgefragt: Häufige Fragen, von der Schwangerschaft bis ins Kleinkindalter

Forschungsvorhaben Becoming Breastfeeding Friendly

(Bildquelle: ©Line Kuehl - BLE)