Virtuell schmecken?

Elektronische Zunge soll Geschmackserlebnisse simulieren

Eine Frau mit langen braunen Haaren und brauner Blus beugt sich über einen Kochtopf und probiert von einem Kochlöffel. © Andrii – stock.adobe.com

(BZfE) – Wie wäre es, ein köstliches Dessert in sozialen Medien nicht nur zu sehen, sondern auch zu schmecken? Was wie Science-Fiction klingt, könnte in ferner Zukunft Realität sein. Ein internationales Forschungsteam hat ein innovatives Gerät („E-Taste“) entwickelt, das virtuelle Geschmackserlebnisse möglich macht. Das könnte die Art und Weise, wie wir Essen digital erleben, grundlegend verändern.

Das Gerät besteht aus zwei Komponenten: eine Art „elektronische Zunge“, die Daten über die Konzentration chemischer Substanzen in einer verflüssigten Probe eines Lebensmittels oder Getränks erfasst und drahtlos an die zweite Komponente weiterleitet. Dieser Teil bringt die Geschmacksstoffe mit Hilfe von kleinen elektromagnetischen Pumpen und einer Gelmatrix über ein Mundstück auf die Zunge.

Mit chemischen Substanzen werden die fünf Geschmacksrichtungen süß (Glukose), salzig (Natriumchlorid), sauer (Zitronensäure), bitter (Magnesiumchlorid) und umami (Glutamat) simuliert. Auch die Abgabe von Aromastoffen sei möglich. Je nachdem, wie lange die Lösung mit der Gelschicht in Kontakt ist, wird der Geschmack mehr oder weniger intensiv wahrgenommen.

Erste Tests mit Probanden von der Ohio State University waren erfolgreich. Mit einer Trefferquote von 87 Prozent konnten die Teilnehmenden den Geschmack von Getränken wie Kaffee und Speisen wie Spiegelei oder eine herzhafte Brühe erkennen. Allerdings ist es noch schwierig, fettige und scharfe Lebensmittel zu simulieren.

In der Zukunft wäre das Gerät in verschiedenen Bereichen einsetzbar – etwa im Online-Shopping und in der Lebensmittelindustrie (z. B. für Fernverkostungen neuer Lebensmittelrezepturen). In der Medizin könnte die Technologie unter anderem beim Gewichtsmanagement oder bei der Wiederherstellung des Geschmackssinns unterstützen.

Bis zur Marktreife sind aber noch viele Herausforderungen zu meistern, steht im Fachblatt „Science Advances“. Für bestimmte Empfindungen müssen spezielle Bereiche der Zunge angesprochen werden, da die Geschmacksknospen nicht einheitlich verteilt sind. Außerdem gibt es weitere Faktoren wie Temperatur und Textur, die das Geschmackserlebnis maßgeblich beeinflussen.

Bis dahin heißt es wohl noch: Probieren geht über Studieren.

Heike Kreutz, www.bzfe.de

Weitere Informationen:

BZfE: Verändert die Temperatur von Essen den Geschmack?

Science Advances, Bd. 11, Nr. 9, Februar 2025 (DOI: https://doi.org/10.1126/sciadv.adr4797)

The Guardian, Meldung vom 28. Februar 2025

(Bildquelle: © Andrii – stock.adobe.com)